Grüner Vogel in der Hand

Sie kommt aus der Erde, denkt immer dran, wie es wohl dort unten ist, unter der Erde, für immer, ohne das Leben, das sie gerade noch umgibt. Sie merkt es einfach nicht mehr, das Leben. Vielleicht beginnt dort ein neues, anderes, in dem nichts so ist wie es jetzt ist. Es riecht gut nach grünen Dingen, die sie anfassen kann. Selbst der grüne Vogel mag sie. Ist ja kein Wunder, weil es den ja eigentlich gar nicht gibt. Er sitzt nur bei ihr auf der Hand. Friedlich und leise. Kein Lärm, der stört. Sie sagt auch nichts, hat eine Kugel im Mund, will sie nicht verschlucken, nicht noch mehr ersticken an sich selbst. Die Sonne bescheint ihre grünen Haare. Ja, im Moment ist es schön, so halb im Licht und halb unter der Erde, aus der auch Fische herausschwimmen ins Oberlicht.

Marion Lucka: Ölgemälde “ Vogel in der Hand“ 60 x 80 cm (2017)

Es gibt immer weniger Vögel, aber sie werden grün auf meinem Ölbild und nie vergessen.

Marion Lucka (16. Juli 2017)

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