Frau mit roten Federn

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Marion Lucka: Ölgemälde “ Frau mit roten Federn“ 60 x 80 cm (2016)

Die Frau mit roten Federn ist gerade fertiggeworden. Ihr Zustand wird so beibehalten. Man könnte sie natürlich noch verändern, aber sie will anscheinend so sein. Sie wollte wieder ein bisschen Grün haben, besonders in den Haaren, auch sollten Bäume dort und am Hals wachsen. Da sie gerne Katzen mag, trägt sie eine schwarze mit roten Augen. Die Fische sind Geisterfische, die versuchen zu laufen. Alles ist noch langsam, ein stiller Beobachter von hinten. Doch der rote Halbmond wird bald voll sein, dann wird vieles wieder farbig erscheinen. Die Gesichterhand schaut entspannt, die rote Feder lebt.

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Wiedergeburt

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Marion Lucka: Ölgemälde „Wiedergeburt“ 70 x 90 cm (1986)

Die blonde langhaarige Frau trägt ein Ei am Ohr. Sie ist gerade gestorben. Sie weiß es aber nicht. Sie fiel urplötzlich in den Zustand des ewigen Schlafes. Sicherlich war es ein Unfall, davon zeugt die Kopfwunde. Fast zur selben Zeit muss jemand anderes gehen- auch aus dem Leben gerissen. Aber niemand hat Schuld, auch nicht die Frau, die es hätte verhindern können. Nur eine Sekunde der Unachtsamkeit und es ist soweit. Noch sind ihre Augen geschossen, sie hat Flügel. Aber bald wird sie aufwachen in dem neuen Embryo, das schon in der blauen Blase wartet, und den Fluss und den Mann sehen kann, der schon oft da war, aber nie richtig gelebt hat. Die kleinen Einzelboote stehen bereit, um damit die vielen Flüsse des Lebens und Sterbens zu überqueren. Das Licht erscheint dort grau-gelb, die Dunkelheit wird verschoben.  Andere Sterne sind da, die auch immer wiederkommen.

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Kalte Pfeile

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Marion Lucka: Ölgemälde „Kalte Pfeile“ 70 x 100 cm (2009)

Überall sind kalte Pfeile unterwegs. Die Kunst besteht darin, ihnen soweit es geht zu entkommen, oder man sendet zum eigenen Schutz selber welche aus. Die Frau auf dem Ölbild „Kalte Pfeile“ (2009) hat stachlige Beine und Brüste, Blüten eingeritzt in die Oberschenkel. Der Unterkörper aufgerissen mit  sieben Planeten und Wasser verbunden. An ihren Armen sind  die kalten Pfeile wie Äste angewachsen. Diese will sie aussenden, was leider nicht geht, da sie festsitzen auf den Ästen. Die Pfeile könnten auch spitze Pilze sein, die kalt-giftig wirken. Pfeile wachsen am faltigen Hals. Doch es ist keiner in der Nähe, den sie treffen könnten, weil sie es ja nicht will. Sie will nur in Ruhe gelassen werden. Ein rotes Kreuz im Wasser zeigt, dass sie hofft. Aber sie musste sich wehren, besonders gegen böse Worte. Langsam prallen sie an ihr ab, die Worte und die Pfeile, alles nur Nonsens, blöde Machtkämpfe, die niemand braucht. Wo ist die Toleranz geblieben? Die gibt es im Grunde nirgens. Überall nur Pfeile, selten neutral.

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Karfreitag

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Marion Lucka: Ölgemälde „Karfreitag“ 60 x 80 cm (2005)

Am Karfreitag 2005 beendete ich dieses Ölgemälde. Angefangen hatte ich es etwa drei Wochen vorher. Ich hatte wohl Stimmungen dabei aufgefangen, wie man es beim Malen zu gewissen Zeiten tut, auch wenn man sich vorher keine großen Gedanken macht, und mich für ein Frauenportrait entschieden. Es kam diese Frau auf die Leinwand, blickend aus einer südlichen Landschaft, schwarzer Umhang, Körperwunden mit seltsamen Zeichen und entblößter Brust. Frauen sind Begleiter und Zeugen. Jeder hat wohl seine eigenen Ideen und Gefühle beim Anschauen dieser Frau und die Frau wohl auch, wenn sie uns aus dem Bild erblickt: Fragend und verwundert. 2006 gewann ich mit „Karfreitag“ den 1. Preis (Publikumspreis) des Hofer Kunstvereins in der Galerie im Theresienstein.

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Düstervögel mit Obst

 

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Marion Lucka: Ölgemälde “ Düstervögel mit Obst“ 100 x 100 cm (2016)

Mein neuestes Ölgemälde heißt „Düstervögel mit Obst“ Zum ersten Mal wird es zur 16. Selber Kunstnacht im Modewerk – Factory in zu sehen sein, zusammen mit vielen anderen dunkleren Bildern. Es kann nicht immer alles rosig und hellblumig sein. Es gibt auch andere Zeiten, die durchlebt werden müssen. Und: Es muss ja nicht jedem gefallen, es reicht schon, wenn man etwas spürt. Es geht nicht um gefallen, nur um Gefühl. Es wird kein Hellgelb zu finden sein, aber viel Graues und Dunkles. Auch die länglichen Erdbeeren sind ausgelaugt, der Körper durchscheinend, alles wird immer schwerer in einer Welt des Unverständnisses. Die Düstervögel sind trotzdem interessiert an der Welt der Frau mit dem violetten Gesicht und den geschlossenen Düsteraugen. Sie soll wieder Luft zum Atmen bekommen. Darauf hat jeder ein Recht.

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Außer mir

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Marion Lucka: Ölgemälde “ Außer mir“ 60 x 80 cm ( 2013)

Manchmal erscheint das Leben so schrecklich, dass man am liebsten aus der Haut fahren möchte und am besten außerhalb des Körpers wäre, wie ein Hauch aus dem Körper gleiten- aufsteigen in den Himmel oder im Meer versinken. Es bleibt nur noch die Hülle, ein dünner Stoff im Wind, der Kopf zusammengeknüllt wie nasses Papier, den  sowieso niemand sieht, nicht mal man selbst. Überall Augen, die sehen und nicht verstehen, außer sich selbst, den leeren Luftblasen entgegen, alles leicht und ungezwungen. Nur zwischen Bäumen ist es anders,keine Verbiegen, man kann stehen, wie man ist.  Aber der leichte Engel fliegt weg, ohne etwas zu vermissen. Auch die Hände werden nutzlos. Wichtig ist die unendliche Luft: Das Schwimmen in der Luft und das Fliegen im Wasser.

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Opferung

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Marion Lucka: Ölgemälde „Opferung“ 50 x 60 cm (1989)

Im Mai 1989 malte ich im Garten das Bild „Opferung“, die Staffelei blieb drinnen. Zum Malen legte ich die leere Leinwand auf einen kleinen Tisch, dann schaute ich was kam. Es war angenehm warm draußen, es ging mir auch gut, und ich dachte an nichts Besonderes. Aber es sollte etwas passieren, das nicht schön war. Es war grausam, aber zu diesem Zeitpunkt  nicht zu verhindern. Da waren Räder auf einem Feld, Blut. Der Himmel ging auf und wurde zu einem großen Tor, durch den Rauch einer dunklen Kerze, die die Frau mit dem blauen Kleid ehrfürchtig trug, den Kopf gesenkt, oder verloren, Haare blutrot. Das Schicksal schlug zu. Es standen schwarze Kerzen auf der frischgepflügten Erde. Zwei Embryos eingeschweißt in zwei Rädern, verbunden mit einer Achse rollten den Berg hinunter. Die Wiese, saftgrün wurde geteilt von einem Bach aus hellem Blut. Der schwere Fuß auf dem Gesicht tat so weh.

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Wüstenkatze

Im Juni 2012 bewüstenkatze012teiligte ich mich an einer Ausstellung der Oberfränkischen Malertage in der Kunstgalerie im Alten Rathaus in Schwarzenbach/Saale. Zwischendurch ging ich mit meiner Tochter Nova in der Nachbarschaft spazieren. Sie war damals 10 Jahre alt. Am Fenster sahen wir eine schöne Siamkatze und waren hin und weg. Ihre blauen Augen beobachteten uns interessiert. Außen am Haus saß eine schöne, kleine, braun-gestromte Hauskatze, die sehr  zutraulich war. Nova sagte gleich: „Die bekommt Kinder!“ Wie sie das sah, ist mir heute noch rätselhaft, weil sie doch so zierlich war. Eigentlich wünschten wir uns schon ganz lang eine, am liebsten eine Siamkatze. Jedenfalls hatte ich vorher schon die Wüstenkatze gemalt – wie ein Vorbote für unsere Katzenbegegnung in Schwarzenbach. Wie es der Zufall wollte, kamen wir mit der Katzenhalterin ins Gespräch. Natürlich hatte Nova Recht, die kleine Katze war schwanger und die Siamkatze am Fenster war ihre Mutter. Nun stand für uns fest, dass wir ein Junges haben wollen und hofften, dass sie so aussieht, wie die Blauäugige, da der Vater ein grauer Kartäuserkater war. Im September holten wir dann das erstgeborene Kätzchen ab und es sah zufällig wie die Großmutter am Fenster aus, so wie wir es uns gewünscht hatten. Für ein Bild kam die kleine Katze zu uns.

Wir haben lange auf dich gewartet. Du bist die Katze aus dem hellgrau-brauen Wüstenland. Wir wollten, dass du zu uns kommst. Nun siehst du dein Spiegelbild in einem lauwarmen Wüstenteich. Du bist da, da gibt es gar keine Zweifel. Der Weg war lang über die trockenen Berge. Noch bewachsen Palmen bewachsen dein Fell. Wir schauen uns gegenseitig neugierig  und glücklich an.

 

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Frau im Blut

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Marion Lucka: Ölgemälde „Frau im Blut“ 50 x 70 cm (2014)

Das Gemälde “ Frau im Blut“ enstand im Januar 2014. Blut tropft auf den Schnee und sonst wohin. Es kommt von oben und bleibt liegen, durchbohrt eine Schicht und tropft weiter, bis nichts mehr kommt. Die Frau hat kein Blut mehr, sie ist mit hellem violett gefüllt, die Haare gefrorene Flügel. Hier ist sie tot, dort lebt sie weiter mit ihrem Kind und dunkler Rose im Arm. Blutkugeln als  Ohrringe, der Mund zugeschnürt. Schneebedeckte Nachfalter fliegen vorbei, ohne sie anzuschauen. Hoffentlich erfriert die Mutter nicht mit ihrem Kind in der Kälte dieses Planeten, auf dem sie gerade lebt. Spürt sie es, wenn sie Lebewesen anschauen? Ich spüre es immer. Manchmal wird es warm, meistens kälter. Alles ist Zufall- aber sie glaubt nicht an Zufälle, sondern an Bestimmung. Es könnte auch eine andere Erde sein, mit anderem Eis und schwarzem Blut, wie alles anders und besser sein könnte, wie die Verständigung unter den Lebenden.

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Frau mit Blätterkrone

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Marion Lucka: Ölgemälde „Frau mit Frühlingskrone“ 60 x 80 cm (2015)

Die „Frau mit Blätterkrone“ enstand im Februar 2015. Da war die Sehnsucht nach den ersten Frühlingsfarben. Der Winter wird als weiße Tränen herausgeschwitzt. Die grünen Äpfel als Sehnsucht nach Frische. Vielleicht ändert sich etwas? Besonders der Frühling macht hoffnungsvoll und zugleich ängstlich vor den eigenen Erwartungen. Die Frau mit der weiße Schneekrone und den hineinwachsenden Blättern schläft vor sich hin und lässt alles auf sich zukommen. Man kann nur  wenige Haarstränen sehen, die einbisschen im Wind flattern. Andere grüne Blätter tanzen um die Krone herum. Heute ist alles Vergangenheit und ein neuer Frühling steht vor der Tür…

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