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Landratsamt Wunsiedel, 1989 Landratsamt Wunsiedel, 1990 Rosenthaltheater, Selb, 1994 Galerie Sommer, Bamberg, 1995 Galerie im Gerstenboden, Hof, 1998 Fichtelgebirgsmuseum, Wunsiedel, 1999 Stadtsparkasse Marktredwitz, 1999 Raiffeisenbank, Waldsassen, 2000 Bürgerzentrum Münchberg, 2001 Atelier 18, Weidesgrün, 2003 Bayerische Spielbank, Bad Steben, 2005 Rosenthal-Theater, Selb, 2005 Fichtelgebirgsmuseum, Wunsiedel, 2006 Kunstgalerie Altes Rathaus, Schwarzenbach/Saale, 2007 Künstlerhaus Schirnding, 2007 Galerie Im Malzhaus, Plauen, 2007 Sparkasse Vogtland, Geschäftsstelle Auerbach, 2008 Kleine Shedhalle im Auenpark, Marktredwitz Landratsamt Wunsiedel, 2009
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Landratsamt Wunsiedel, 1989
"Träume" - Bilder, die wehtun
Ausstellung der Thiersteiner Malerin Marion Lucka im Landratsamt Wunsiedel eröffnet "Eigene Dokumente erlebter Vergangenheit"
Von Johanne Arzberger
Wunsiedel. - In unregelmäßigen Abständen, etwa vier- fünfmal im Jahr, gibt der Landkreis Wunsiedel bildenden Künstlern aus der Region Gelegenheit, ihre Werke im Landratsamt auszustellen, um sie so einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Ausstellung von Marion Lucka ist die elfte dieser Art. "Diesmal haben wir eine Ausstellung, mit der sie vermutlich nicht so recht zurechtkommen", wandte sich Landrat Christoph Schiller in seiner Begrüßungsansprache an die zahlreichen Gäste, die zur Eröffnung am Dienstag nachmittag erschienen waren. Eine Bemerkung, die Kunsterzieher Sigurd Bischoff aus Selb als Herausforderung ansah, als er den Versuch unternahm, die Anwesenden in das Wesen des Surrealismus und in das Werk Marion Luckas einzuführen. "Jedes Bild stellt einen eigenen, gedanklichen und emotionellen Raum dar, ein eigenes Dokument erlebter Vergangenheit. Das, was aus der Seele aufsteigt, wird herangezogen, um Bilder aufzubauen. Zuweilen spiegeln sie eine Aussichtslosigkeit wider, die so gesteigert ist, dass der Inhalt- Tod und Sterben- einem kühl entgegentritt und gedanklich frösteln macht "führte Bischoff aus. Dies sei jedoch, so der Kunsterzieher weiter, nicht der einzige Inhalt im Werk der 26jährigen Malerin. Dem Tod setzt sie zuweilen auch die Antipode des Eros entgegen, gezeichnet durch ein voluminantes Rot, das seine erotische Wärme abstrahlt und den Betrachter anzieht und versöhnt. Stilistisch bediene sich die Künstlerin oft der gebrochenen Perspektive, die erzählerische Qualität dieser Werke ausmache, klar definierte Formen- wenn auch metamorphosisch - und des Verzichts auf klassische Proportionierung, umriss Sigurd Bischoff die Arbeiten von Marion Lucka. Bei dem anschließenden Gang durch die Ausstellung gerät der Betrachter in einen magischen Bann. Die Bilder sind gleichermaßen abstoßend und anziehend zugleich, so als ob sich das, was aus dem Unterbewusstsein der Malerin geflossen ist, über die Augen, der Spiegel der Seele, in das Unterbewusstsein des Betrachters ergießt, sich ungebeten darin festhakt und einnistet. Es sind, mit wenigen Ausnahmen Bilder, die schmerzen. "Träume" nennt Marion Lucka, die Lithographin aus Neudürrlas, ihre Ausstellung. Sind das Träume einer jungen Frau? Wie Alpträume, Visionen und Halluzinationen, unbekannter Seelenqualen entstanden, wirken diese Bilder. „Opferung“ zum Beispiel zeigt eine Gestalt von hinten, aufrecht, stolz sitzend, ohne Kopf, das aus der Wunde fließende Blut wird zur roten Haarmähne, die Hände halten links eine leblose, zerfliesende Gestalt, rechts eine schwarze Kerze mit schwarzer Flamme, rechts davon eine an einen Marterpfahl erinnernde Figur mit menschlichen Gliedern und Schlangenkopf, aus der überdimensionale Blutstropfen quellen. Der säulenartige Fuß tritt auf den Kopf einer auf den Boden liegenden Gestalt. Oder das Bild „Ohne Hoffnung“: Eine Personifizierung der Hoffnungslosigkeit ist dieses Frauenantlitz. Das Bild macht unendlich traurig, ebenso wie „Vollmond“: Eine schöne Zeichnung, weich, harmonisch – und dabei unsäglich melancholisch. Es sind Bilder, die faszinieren, die sich dem Betrachter aufdrängen, über die er mit jemanden sprechen muss. Selten haben sich bei einer Ausstellungseröffnung so viele einander unbekannte Besucher in Gesprächsgruppen zusammengefunden, um einzelne Bilder zu diskutieren, wie bei dieser Ausstellung von Marion Lucka, die bis zum 13. Oktober im Landratsamt zu sehen ist. Sie wird, diese Prognose sei gewagt, noch manchen Besucher, der vielleicht nur einen flüchtigen Blick darauf werfen wollte, in ihren Bann schlagen.
Frankenpost, Dezember 1989
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Landratsamt Wunsiedel, 1990
Fenster zum Unterbewusstsein
Von Christian Heubeck
Die Thiersteiner Malerin Marion Lucka stellt im Landratsamt aus
Wunsiedel. - Manche der Bilder wirken trotz ihrer hellen Farben beklemmend. Sie vermitteln Ausweglosigkeit, Ausgeliefert sein. Das Ich als Gefangener unterbewusster Ängste und Versuchungen. Marion Lucka sieht das so: Ein armes Menschlein ist in die dolchartigen Äste eines Baumes gestürzt. Mehrfach durchbohrt, ist es, hilflos zappelnd, der Schlange, die sich um den Stamm ringelt, ausgeliefert. Oder so: Der Mensch wird mit einer Nabelschnur an Kräfte, die er nicht beeinflussen kann, gekettet, er wird von ihnen wie eine Marionette gelenkt und künstlich ernährt.
Die Bilder der Thiersteiner Malerin bieten sich dem Betrachter als Interpretationsspielwiese förmlich an. Sigmund Freud und Franz Kafka lassen grüßen, das biblische Motiv vom paradiesischen Baum der Versuchung begegnet einem mehrmals. „Ich male aus dem Unterbewusstsein heraus“, sagt die 27 Jahre alte Künstlerin. Die über 70 Bilder Marion Luckas, die bis zum 4. Januar im Wunsiedler Landratsamt zu sehen sind, bestätigen das. Allerdings ist dieses Unterbewusste nicht immer bedrückend. Urlaubserinnerungen an die Toskana und an den Plattensee, von greller Sonne durchströmte Landschaften des Südens, setzen den Kontrapunkt zu den meist farborgiastischen Alpträumen. Marion Lucka gibt ihre Phantasie in plakatartig angelegten Kompositionen, für die klar voneinander abgesetzte Farbflächen charakteristisch sind, an den Betrachter weiter. Manchmal meint man, vor allem was die Farbauswahl betrifft, ein wenig an Franz Marc erinnert, ein andermal, wenn da Menschenköpfe eins werden mit einer üppigen Pflanzenwelt, scheinen psychedelische Anklänge an die Flower-Power-Ära der späten 60er nachzuhallen und bisweilen glaubt man auch, Jugendstilelemente herauslesen zu können. Aber man glaubt es eben nur. Bei genauerem Hinsehen stellt der Betrachter fest, Schubladen taugen nicht für Marion Lucka. Die Autodidaktin, die mit 14 mit dem Malen begonnen hat, hat, wie sie selbst sagt, keine Vorbilder. Sie besucht auch bewusst keine Gemäldeausstellungen. Apropos Plattensee: Bekanntlich verbindet den Landkreis Wunsiedel eine Partnerschaft mit dem ungarischen Komitat Veszprem. Mit Veszprem besteht auch ein Kulturaustausch. Landrat Dr. Peter Seißer wies bei der Eröffnung der Lucka-Ausstellung daraufhin. So wird derzeit die Ausstellung „Kunst in der Provinz“, die 18 oberfränkische Künstler gestalten, in Ungarn gezeigt. Vor kurzem lebte ein ungarischer Künstler für einige Zeit in Wunsiedel und stellte seine Werke im Landratsamt aus. Im Gegenzug war Marion Lucka vier Wochen am Plattensee. Mit Eindrücken von dieser Reise ist sie zurückgekommen, „Eindrücke“ heißt auch ihre zweite Ausstellung im Landratsamt. . Frankenpost, 6. Dezember 1990
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Rosenthaltheater, Selb 1994
Rätsel von Ich und Welt
von Ralf Sziegoleit
Selb.- “November” ein Bild vom Hauen und Stechen, ein Bild mit Klauen und Zähnen, ein Bild von Eros und Tod. Der benachbarte “Tag im Mai”: dito. Eine junge Frau hat die Schreckensbilder gemalt - und zeigt sie neben 130(!) anderen derzeit im Rosenthaltheater vor. Der Kunstverein Selb ist, ihrer Ausstellung wegen, vom bislang üblichen Kurs abgewichen, davon nämlich, Kunst “von draußen” hereinzuholen. Zum ersten Mal hat man sich eingelassen auf einen Künstler respektive eine Künstlerin, aus der Region. Mit guten Gründen: Es ist eine Entdeckung zu machen. Marion Lucka heißt die aus Arzberg stammende Malerin, 31 Jahre alt, Autoditaktin. Aus einem Selbstporträt schaut sie umdüstert, mit großen Augen, in die Welt: erschrocken und staunend; in eine Welt, deren Zustand so ist, dass, wie der Selber Kunsterzieher Sigurd Bischoff bei der Ausstellungseröffnung sagte, “die vernünftigen Sicherungen durchbrennen”. Bei Marion Lucka brechen sich - ungesichert und eruptiv - die eigenen Gefühle und Bedrängnisse Bahn. Surrealistische Gefühlswelten sind das Ergebnis, obsessive Rätselbilder von ganz eigener Art. Irgendwo zwischen Dali und Schröter-Sonnenstern (der ihr unbekannt ist) hat sie ihre künstlerische Heimat gefunden. “Zwiespalt” und “Mißbrauch” , ”Sturz” und “Haltlos”, “Dunkle Mutter” und “Schwarzer Mann”: so nennt sie die visionären Szenen, die Dramen, in die sie ihre (Kunst-)Figuren verstrickt, mit Entdeckerfreude stets und mit bestürzender, abgründiger Befremdlichkeit oft. Eine “Warme Winterlandschaft” ist in Wahrheit so kalt und zugefroren, daß Mensch und Tier bei kleinster Berührung zerbrächen; selbst in einem “Stilleben” herrscht Dämonie. Freilich, es sind hier nicht 130 Meisterstücke zu sehen. Es gibt Überladenes Süßliches, Unerhebliches, manches nahe am Kitsch. Aber an Highlights mangelt es nicht - und die faszinieren: durch Stil, Kraft - und Mut. Ein erstaunliches kompositorisches Talent ist hier am Werk, das die ins Bild drängenden Einfälle, die disparaten Ebenen und Elemente, formal wie farblich fast immer unter Kontrolle behält. Dabei entstehen die Bilder ohne Konzept ”Ich fang oben an und male nach unten”, sagt Marion Lucka, “und ich schaue, was daraus wird.” Und oft genug hat sie Anlaß, darüber zu staunen, was da geworden ist. über die Metamorphosen, die sich ereignen, die Doppeldeutigkeiten; die Rätsel, die ihr selber aufgegeben werden von ihren Bildern. Erklären kann (und mag) sie die nicht. Und eigentlich, sagt sie, wären ihr einfache Lösungen lieber - wie bei Paul Klee. Aber solche kann sie nicht malen. Es muß das Komplizierte, das Komplexe, das Verschlungene sein. So ist es ein Stück vom eigenen Ich - und so ist es wahr. Und gut, und sogar trotz allem schön.
Frankenpost
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Galerie Sommer, Bamberg, 1995
Aus dem Land der Pharaonen
Marion Lucka zeigt ihre phantastischen Mythen in der Bamberger Galerie Sommer
von Thomas Kastura
"Füllhorn des Lebens" ist der Titel eines 1987 entstandenen Gemäldes von Marion Lucka. Es kann als Programm der 32-jährigen Oberfränkin gelten, die aus einem kleinen Dorf im Fichtelgebirge stammt und sich von der Jugend an der Malerei verschrieb. In ihren Bildern kommt eine vitale stark an Mythen orientierte Auffassung des Lebens zum Ausdruck. Die Wirklichkeit fungiert dabei lediglich als Auslöser für ein Malverfahren, das sich seine Formen und Bezüge auf dem Weg der Farbinspiration sucht. Luckas visionärer Stil kommt dem phantastischen Realismus am nächsten. In 18 Jahren hat sich ein beachtliches Oeuvre angesammelt. Eine Auswahl von insgesamt 112 Arbeiten ist jetzt in der Bamberger Galerie Sommer zu sehen. Marion Lucka stellt ihre Werke seit 1987 aus. Zuletzt war sie im Rosenthaltheater Selb vertreten. Neben einigen Aquarellen und Zeichnungen bilden Ölbilder den überwiegenden Teil ihres Schaffens. Sie bevorzugt kräftige Töne und großflächige Motive. Häufig dominiert eine bestimmte Farbe, die phasenweise wechseln kann. Ein Thema, das Marion Lucka fasziniert, ist die Geschichte und Mythologie Ägyptens - sowohl die figürlichen Kompositionen als auch in ornamentalen Zeichen. "Pharao" (1995) stellt wohl die ungewöhnliche Physiognomie Echnatons dar und setzt wie zahlreiche Bilder auf den appellativen Effekt des "en face"-Portraits, das sich als Spiegelung des Künstler-Ichs begreifen lässt. Meistens sind es androgyne Gesichter, die da von den Leinwänden starren und eine ambivalente Identität vermitteln. Das Weibliche ist in Bildnissen von Katzengottheiten, in der mythologisch leicht abgewandelten Darstellung der Urmutter Nuth sowie in ostentativen Geschlechtssymbolen und etwas oberflächlich abgehandelt. Bewegung kommt in den statischen Bildaufbau immer dann, wenn Luckas farbenfroh-plakative Stimmung von Höllenphantasien verdrängt werden, die auf Hieronymus Bosch zurückgehen könnten, etwa der "Tag im Mai" (1993): ein blutiger Traum von dämonischem Leidensdruck und von den Schattenseiten der menschlichen Existenz, die sich hier intensiv Luft macht. "November" von 1989 legt schließlich Zeugnis für ein infernalisches Innenleben ab: groteske Figuren bevölkern die Phantasie der Künstlerin und führen einen Teufelstanz verdrängter Sinne auf. Marion Luckas surreale Entwürfe werfen ein Licht auf ihre außerordentlich vielfältige und gebrochene Sicht der Welt, die in erster Linie eine Gefühlswelt ist. Ihr Drang, jede Stimmung gleich in einem Ölbild festzuhalten, ist wohl schon manisch zu nennen. Dabei erweist sich die Fülle des Gesagten, das über zahlreiche Bilder verteilt ist als indifferent .
Fränkischer Tag, 19. Juni 1995
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Galerie Im Gerstenboden, Hof 1998
Alpträume aus der “Katakombe”
Von Ralf Sziegoleit
Zwei Monate lang war die Galerie im Gerstenboden Zufluchtsort für die “Heilige Familie” des Tschechen Jan Knap. Seit Montag abend nun nimmt das Domizil des Hofer Kunstvereins eher Unheiliges auf: Marion Lucka, 35jährige Malerin aus Arzberg, stellt sich mit 124 Beispielen einer surrealistischen, oft erotischen Bilderwelt vor.
Hof. - Die Hofer-Jazz-Combo spielte zur Ausstellungseröffnung. Das fröhliche Musizieren war Kontrastprogramm zu den Bildern, deren Grundstimmung, wie die Titel bestätigen, häufig “Traurigkeit” ist. “Ein bißchen Verrücktheit” auch sei darin, meinte Kunstvereinschefin Sabine Böhm, die empfahl, sich den schwer zu entschlüsselnden Bildinhalten übers Gefühl anzunähern.
“Ich male am besten, wenn es mir schlecht geht”, sagt Marion Lucka. Das ist sichtlich häufig der Fall. In vielen vorgezeigten Resultaten nämlich weist sie Bestform nach. Zu sehen ist, dass die Malerin sich darauf versteht, Formen zu kreieren und fortzuentwickeln, sie spielerisch sich entfalten zu lassen, ohne doch im Beliebigen anzukommen. Ein erstaunliches kompositorisches Talent ist hier am Werk, das die ins Bild drängenden Einfälle, die disparaten Ebenen und Elemente, formal wie farblich fast immer unter Kontrolle behält. Das Malen hat sich Marion Lucka nach dem Besuch der Fachoberschule in Bayreuth (Schwerpunkt Gestaltung) und der Lithografen-Lehre bei den Porzellinern, selbst beigebracht. Inhaltlich stehen ihre Bilder dem “phantastischen Realismus” der Wiener Schule um den Großmeister Hausner nahe. Aber anders als dieser, dessen Vorgehensweise eine psychoanalytische war, pflegt sich Lucka beim Malprozeß treiben zu lassen: “Ich fange oben an und male nach unten, und schaue, was daraus wird.” Es wird daraus: eine Traum- und Alptraumwelt, deren Hauptkennzeichen die Metamorphose ist. Kaum Festgefügtes, eideutig Definiertes ist zu sehen. Doppeldeutigkeit herrscht vor, auch Anzüglichkeit. Denn aufs Erotische nehmen die Formen gerne Bezug. Die stattfindenden “Umarmungen” jedoch könnten auch Akte des Verschlingens oder Überwältigens sein. “Zusammen” jedenfalls ist ein Duo mit hängenden Köpfen und “Zweisamkeit” ein Doppelselbstmord, den Lucka nach Art eines makabren Märchens inszeniert: Bilder vom Scheitern. Eine sehr feminine Kunst möchte man´s nennen. Aber gar nichts hat sie mit braver Häkelarbeit zu tun. Aggressivität und Energie sind in den Bildern. Auch scharfer Witz - und Hellsicht vielleicht. “Ich seh mich als Medium”, sagt Marion Lucka, die ihr Zuhause (und Atelier) als Katakombe bezeichnet. Unterirdisch also fühlt sie sich angesiedelt, und nicht mal per Fernseher hält sie Kontakt zur oberen Welt. “Opferung” heisst ein frühes Bild, das 1989 entstand. Viel Blut fliesst, doch die Szene strahlt Gelassenheit aus. Sanfter Schrecken: So ist das meistens in Luckas Gemälden, deren Protagonisten zum Beispiel unters “Rad des Schicksals” geraten, um zerstückelt zu werden. In magisches Licht sind die meisten Szenen getaucht. Ob “Dolchstoß” oder “Stilleben mit Äpfeln”: Ungeheuerliches geschieht; und immer wieder ist es, als platze die Haut, als platze der Kopf. Auf Dramen in obsessiven Rätselwelten lässt Lucka sich ein. Aber noch im grossformatigen “Chaos” findet sie zu einer betörenden Balance. Die ist auch ihren vergleichsweise friedlichen und gefälligen Traum- und Seelenlandschaften eigen. Hier wie dort beweist sie Stil, Kraft - und immer mehr Mut. Um Reduktion um Form und Farbe, bis hin zur Monochromie ist sie bemüht. Und auch als Bildhauerin hat sie (“mit Muskelkraft”) zu schuften begonnen: “Köpfe”, gestaucht und gequetscht - Fremde in der Welt. Ihnen stellt sie Stelen zu Seite, die bevorzugt als “Wächter” auftreten; als Beschützer und Freunde. Dass ihre Kunst Freunde findet, damit kann Marion Lucka sicherlich rechnen.
Frankenpost, Mittwoch, 8. Juli 1998
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Fichtelgebirgsmuseum, Wunsiedel 1999
Bilder aus der Nacht: Potente Weiblichkeit
Von Ralf Sziegoleit
Ihre Kunst finde in weitem Umkreis nicht ihresgleichen, sagte Kunsterzieher Sigurd Bischoff aus Selb. Gemeint waren die Gemälde und Plastiken der 36jährigen Arzbergerin Marion Lucka: 79 Exponate sind in einer Sonderausstellung des Fichtelgebirgsmuseums Wunsiedel zu sehen.
Wunsiedel. - Ein “Schlafender” (aus Sandstein) muß zwar im Stehen ruhen. Dem liebenswerten Trotzkopf aber geht´s gut. Schwere Träume, das sieht man, plagen ihn nicht. Da hat er´s deutlich besser als seine Schöpferin. Die nämlich drückt nächtens der Alp, und wenn sie aufwacht, sind die
Spukbilder noch frisch. So hat die Heimsuchung ihr Gutes: die Träume können skizziert und notiert werden, um später einzufliessen in Luckas Kunst. Wie die Jungfrau zur Schlachtbank ist eine “Braut” unterwegs: die Dame trägt Ketten, der Rücken ist nackt und voll Blut. Am “Anderen Tag im November” sind wir gar Augenzeugen beim Hauen und Stechen. Überhaupt findet mancherlei Unheil statt: Wurzeln lassen die Figuren nicht los; auch “Gespalten”, in sich, können sie sein. Eine Taube am Bildrand oben ist blind. Freilich auch von “Gruß” und “Flirt”, von “Freundschaft” und “Erwartung” weiss die Künstlerin zu berichten. Alleweil ist zu sehen, dass sie sich aufs Malen, auf die Kunst des Komponierens mit Form und Farbe versteht. Lucka kreiert eigenwillige Formen, die sich in spielerischer Metamorphose fortentwickeln. Aufs Erstaunlichste, mit sozusagen schlafwandlerischer Sicherheit, wird Disparates zusammengeführt. Mit Genugtuung bemerkte Landrat Dr. Peter Seißer bei der Ausstellungseröffnung, dass das Wunsiedler Museum sich nicht nur der Vergangenheit widmet. Hier, so sagt er, hätten wir´s mit dem Werk einer sehr lebendigen Zeitgenossin zu tun. Sigurd Bischoff, der Laudator, sagte ihr “potente Weiblichteit” nach, lobte Einfühlsames und Intuitives, den Mut auch, sich bildnerisch dem konfliktreichen Innenleben, den Gedanken, Gefühlen und Obsessionen zu stellen. Lucka, betonte er, male “phantastisch” - und damit meinte er nicht nur das Genre, sondern die Qualität gleich mit. Die kleine, doch feine Schau führt eindrucksvoll das ganze Spektrum Luckaschen Kunstschaffens vor. Viel schlicht Schönes zumal in den Plastiken lässt trotz aller Alpträume Freude aufkommen. In der Malerei fällt zunehmend eine “härtere Gangart” auf, die der Plastizität festkonturierter Figuren betont Flächiges, Verfranstes, Rüdes entgegensetzt. Und siehe da: in solch spontanem Zupacken scheint sich neuer Optimismus auszudrücken; ein grossformatiges “Paar”, gemalt in Artbrut-Manier, schöpft sichtlich Kraft aus dem Anderssein in der ganz eigenen Welt.
Frankenpost, Montag, 1. März 1999
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Stadtsparkasse Marktredwitz, 1999
Schlafwandelnd überm Abgrund
Von Ralf Sziegoleit
Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder lobte die “Wandelhalle” der Stadtsparkasse als den besten Ort der Stadt, um große Bilder auszustellen. Derzeit kommt er der Arzbergerin Marion Lucka zugute. Und weil er nicht ausreicht, hat sie mit ihren Gemälden und Skulpturen auch die Kreditabteilung und den Vortragssaal bestückt: 88 Arbeiten sind insgesamt zu sehen.
Marktredwitz. - Um Traum- und Seelenbilder handelt es sich vor allem. Die Künstlerin stellt fabulierend Menschen, Tiere und Landschaften dar und weiß oft selber nicht, was es “bedeuten” soll. Dem Betrachter, sagte Kunsterzieher Sigurd Bischoff aus Selb, werde der “sofortige Zugriff” verweigert, und eben das sei das Schöne daran: ”Wir können und müssen vor den Bildern assoziieren. Marion Lucka erzählt uns was und fordert unser Denken und Fühlen heraus.” Aufs “verrätselnde Element” wies Bischoff die zahlreichen Besucher hin, die sich zur Eröffnung der Schau versammelt hatten: In diesen Gemälden können wir auch nach fünf Jahren, oder gar zehn, noch Neues entdecken.” Die jetzt 36jährige, die die Fachoberschule in Bayreuth besuchte und als Lithografin tätig gewesen ist, hat ihren eigenen bildnerischen Kosmos entwickelt - im Stil des phantastischen Realismus; und allerdings fließt bei ihr auch das sogenannte Naive ein. Zu ihren Sujets gehören “Katzenmutter” und “Hasenfrau”. Doch fast immer finden Metamorphosen, Verwandlungen statt: Den Köpfen sind Landschaften eingeschrieben, aus Rosen schauen uns Augen an. Wie im Traum geben die Dinge und die Ereignisse ihre Eindeutigkeit auf. Geträumt wird mit Alp und ohne vom Tod, doch auch vom Glück. Die Gemälde sind spannend , zuweilen bestürzend - und doch wo sie verwirrend erscheinen, stellt die Ausgewogenheit von Farbe und Formen harmonisches Gleichgewicht her. Man sieht: Hier waltet einbegnadetes kompositorisches Talent; mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegt sich Lucka durch abgründiges Terrain. Ob das, im Ganzen, nicht zu brav oder gar “kitschig” sei, fragte die Künstlerin selbst. Tatsächlich ist es nicht so verwegen , wie ihre früheren Ausstellungen - in Selb, Hof und Wunsiedel - waren. Diese Schau, wurde ihr aufgegeben, habe möglichst das Geschlechtliche zu vermeiden. Gleichwohl fehlt das Erotische nicht. Sozusagen programmatisch eröffnet Lucka den Bilderreigen mit einem “Kuss” - einem ornamentalen, rhythmischen Ineinanderfließen. Häufiger jedoch - in Bildern wie “Gespalten” und “Abwehr” - wird das Auseinandergehen thematisiert. Selbst die “ Zuflucht” ist kein sicherer Ort, der die dünne Haut zu schützen vermag. Von Klauen und Nägeln ist sie bedroht, Luckas Personal kommt nicht ohne Blut und Wunden durch. Das Finale, am Ausgang der “Wandelhalle”, findet im Feuer statt: Immer noch werden Hexen verbrannt. Und freilich, gleich daneben ist eine der schönen Plastiken Marion Luckas platziert. In Sand- und Speckstein formt sie “Köpfe” aus, die, obwohl selten rund und geschlossen, die Ruhe bewahren - gewissermaßen die Ruhe nach dem Sturm. Dem sind die aquarellierten Portraits (“Blicke”) noch ausgesetzt - eindrucksvolle, zerklüftete Gesichtslandschaften als Spiegel konfliktreichen Innenlebens, visionär und apokalyptisch.
Frankenpost, 22. November 1999
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Marion Lucka stellt In Waldsassen aus
"Ausdrucksstark und provozierend"
von Thomas Scharnagel
WALDSASSEN. - Katzen, Engel und immer wieder Frauen: Wasserfau, Kronenfrau, Feuerfrau, Traumfrau, Frau von Hinten, Frau mit Zöpfen, Frau mit Feuer - das sind die Titel, die einige der über 70 Bilder tragen, die die Arzberger Künstlerin Marion Lucka derzeit in Waldsassen ausstellt - an einem Ort, an dem man gediegene Bilder erwartet: in der Raiffeisenbank. Doch die Ausstellung, die bis zum 31. Mai läuft, ist luckatypisch: "Das hier sind mutige Bilder, ausdrucksstark und provozierend", sagte Bankvorstand Lorenz Herbert bei der Vernissage am Mittwochnachmittag. "Die Bilder lassen dem Betrachter Spielraum für die eigene Phantasie. Jeder ist selbst verantwortlich für das, was er sieht." "Man muss sich was von den Bildern erzählen lassen", sagte auch Sigurd Bischoff, Kunsterzieher aus Selb, der bei der Ausstellungseröffnug die Künstlerin vorstellte ("Sie ist hier im Raum Oberfranken-Oberpfalz eine an der einsamen Spitze liegende Künstlerin"). Bischoff lobte die enorme Schaffenskraft der Arzbergerin, die schon Hunderte von Bildern gemalt habe, und ihren Mut, "etwas zu offenbaren. Sie lässt in tiefe seelische Räume blicken. Ihre Bilder sind frech und freimütig, offen spricht Marion Lucka ihre Gedanken aus." Aber Bischoff wäre kein Kunsterzieher, wenn es ihm nur um den Mut ginge. Nein, auch das Können war ihm ein Anliegen; und das hob er bei Marion Lucka besonders hervor. Zum Beispiel ihre Fähigkeit, mit vielfältigen Farbabstufungen eine starke Strahlung und eine tiefe Wirkung zu erzielen.
Frankenpost, 5. Mai 2000
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Bürgerzentrum Münchberg 2001
Unerschöpfliche Variationen
von Bärbel Lüneberg
Münchberg- Liegt es an den weißen, ungestörten Wänden, an der zielgenauen Ausleuchtung der Werke in der Galerie des Münchberger Bürgerzentrums, dass Marion Luckas neue Bilder heller, unbeschwerter wirken als ihre Vorgänger? Bei der Vernissage konnten die zahlreich erschienenen Gäste der Künstlerin diese Frage vorlegen.
Nach der Begrüßung durch Udo Rödel, den Hausherren und Initiator der Ausstellung, unternahm es der Marktredwitzer Kunsthistoriker Dr. phil. H.-J. Berbig den Gästen sein Bild von Marion Luckas Werk zu präsentieren. In einer präzisen Analyse beleuchtete er die Schaffensweise dieses Arzberger "Naturtalents”, dessen Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von akademischer Bildung oder von Malervorbildern er betonte. Ihr ” fantastischer Realismus” dringe mit assoziativer und emotionaler Kraft aus dem Unterbewussten und benutze die Bild- und Formenwelt archaischer Märchen und Kulturen. In Münchberg empfängt Farbigkeit den Besucher - die Bilder sind überwiegend warme, positiv stimmende Kompositionen. Doch Berbig kennt auch die quälenden Grautöne, das Ringen mit Angst, das Ringen um Identität in anderen Bildern von Marion Lucka. Mutige Selbstschau - davon lässt sie auch in den Münchberger Bildern nicht ab; sie bezieht in den Paar-Bildern beim Aufdecken von Sehnsüchten Erotisches mit ein, doch hat sie mit klaren, abgegrenzten Flächen gearbeitet; das Schichten in die Tiefe wirkt wie eine heitere Aufforderung an den Betrachter zum Suchen und Entdecken. Behutsam und mit Einfühlungsvermögen arbeitet sie die im Stein und seiner Struktur “vorfindliche Form” heraus: Zahlreiche neue kleinere Skulpturen zeigen es. Hier wie in einer Serie von Bleistiftzeichnungen scheint der Drang zum raumgreifenden Gestalten ins Gegenteil gewendet zu sein - in Postkartengröße vereint Marion Lucka kompakte Kompositionen wie aus einem Guss, ein Konzentrat ihres Gestaltungsreichtums. Sie überbrücken in ihrer Verdichtung der Form den Weg von deutbaren zu abstrakten Figuren, kokettieren mit unerschöpflichen Variationen, die noch dazu gewissermaßen nebenbei, etwa beim Telefonieren entstanden sind.
Frankenpost, 2. November 2001
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Atelier 18, Weidesgrün, 2003
„NEUES“ VON MARION LUCKA
Ein Leuchten Von Innen Heraus
Von Sabine Gebhardt
Weidesgrün – „NEUES“ der Thiersteiner Malerin Marion Lucka ist im Weidesgrüner Atelier 18 zu sehen. Neu ist es in mehrerlei Hinsicht: nicht nur zeitlich neu, also frisch gemalt; sondern auch anders als die Arbeiten, die man von der Künstlerin bisher kennt. Fröhlicher sind die Bilder geworden, froher, farbiger, von innen heraus leuchtend; teils auch kleiner. Die düstere Beklemmung früherer Werke ist gewichen. Den Grund für diese Wandlung hatte Marion Lucka zur Vernissage mitgebracht: ihre kleine Tochter Nova. Des Kindes wegen greift sie nun öfters zu Bleistift und Aquarellfarben, weil sich Ölfarben und Terpentin an den Händen nicht mit dem Kinderversorgen vertragen. Geblieben im „Neuen“ ist der absolut gekonnte Umgang mit der Farbe - auch die kräftigen gewagten Kombinationen sind nie schrill, sondern immer stimmig. Geblieben ist das Surreale, das Verbinden des Wirklichen mit einer anderen magischen Welt auf imaginären Landschaften und Szenerien. Doppelköpfiges taucht mehrmals auf, unter dem Titel „Freundschaft“: zwei Frauenköpfe, die zu einem untrennbar verschlungenen Oberkörper zusammenwachsen. Zwei Katze-Mensch-Wesen verschmelzen, und ein dreigesichtiges Mehrfach-Portrait, männlich, durchläuft eine Abstufung aller erdenklichen Rottöne. Oder ein blaues Girl mit Riesenaugen: den Betrachter schaut es direkt, dabei gleichzeitig sehr weiblich und sehr kindlich an, ihr zweites nachdenklich wirkendes Gesicht im Profil zur Seite geneigt. Oder eine freundliche Riesenschnecke, in rot-verspieltem Ambiente. Oder eine Serie plakativer, fast Comic-hafter Köpfe. Liebenswert ist eine Reihe kleiner Arbeiten: Bleistiftzeichnungen, deren Feinheit der Linienführung die gelernte Lithographin verrät, und heitere Aquarelle, beides mit gotthaft anmutenden Wesen, wie ein fröhlich orangefarbener Frühling. Unter Marion Luckas Bildern sind manche großflächig, ruhig und ausgewogen, andere kleinteilig mit vielen Details, die es zu entdecken gilt und die sich zu einem kleinen Gesamtkosmos fügen. Aber immer trägt die Strahlkraft der Farbe das Motiv.
Frankenpost, 11. Juli 2003
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Bad Steben, 2005
Traumwelten mit und ohne Alp
von Ralf Sziegoleit
Traumwelten von Marion Lucka aus Thierstein sind im Foyer der Bad Stebener Spielbank zu sehen. Geträumt wird mit Alp und ohne: von „Freundschaft“ und „Begegnung“ von „Chaos“ und „Tod“
Bad Steben - Die Künstlerin, die die Fachoberschule in Bayreuth besuchte und als Litografin tätig gewesen ist, stellt fabulierend Menschen, Tiere und Landschaften dar – „Gefühlslandschaften“ nannte sie Kollege Harry Kurz, der zur Eröffnung der Ausstellung sprach. Stilistisch stehen die meisten der 25 Gemälde dem Phantastischen Realismus der Wiener Schule nahe. Doch fließt bei Lucka auch das sogenannte Naive ein. Fast immer finden Metamorphosen, Verwandlungen statt. Wie im Traum geben die Dinge und die Ereignisse ihre Eindeutigkeit auf; die Malerin weiß oft selber nicht, was es bedeuten soll. Und freilich haben die Sujets stets mit eigener Befindlichkeit zu tun. Zuweilen liegt buchstäblich das Innere bloß. „Es fängt wieder an“, heißt ein Angst-Bild, das im Mai dieses Jahres entstanden ist, und das jüngste, noch nicht einmal zwei Wochen alt, fragt: „Wieso?“ Blut und Tränen, Nägel und Klauen, Wunden und Narben sind immer wiederkehrende Chiffren in Luckas Traumsprache, wie auch die Sinnesorgane Auge und Mund - und natürlich fehlt im konfliktreichen Innenleben der Malerin, der ein Bewunderer „potente Weiblichkeit“ nachsagte, das Erotische und Geschlechtliche nicht.“ Die Gemälde sind spannend, zuweilen bestürzend – aber noch wo sie inhaltlich verwirrend erscheinen, stellt die Ausgewogenheit von Farbe und Form ein harmonisches Gleichgewicht her. Man sieht: hier waltet ein begnadetes kompositorisches Talent; mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegt sich die „Traum“ - Frau über abgründiges Terrain. Selbst im „Chaos“ von 1997 wird Disparates durch weichen Farbenfluss und rhythmische Gewandtheit zur Einheit gebunden. Damals, vor knapp zehn Jahren, schlug Lucka vorübergehend auch eine „härtere Gangart“ ein – mit fest konturierten Figuren und rüderem Pinselstrich. Nach dieser „expressionistischen“ Phase, aus der die Bad Stebener Ausstellung einige Beispiele zeigt, kehrte die Malerin zu ihrem ganz eigenen Bilderkosmos zurück. Der findet im hochfränkischen Umkreis nicht seinesgleichen. Und dass er „fantastisch“ sei, gilt nicht nur für die Sujets, sondern für die Qualität gleich mit.
Frankenpost, 20. Juni 2005
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Rosenthal-Theater 2005
Herzmund und zweigeteilte Seele
von Hanna Cordes
Die heile Welt malt sie nicht. Marion Lucka hat längst den Sprung in die Tiefe des Bedenklichen und Bedrängenden gewagt. "Seelenbilder" stellt sie derzeit im Selber Rosenthal-Theater aus und führt in die Abgründe von Traum, Alptraum und Metamorphose.
Selb - Hundert Exponate zeugen von ihrem Mut, ihrer Energie, ihrer Entschlossenheit. Sigurd Bischoff, Kunsterzieher am Walter-Gropius-Gymnasium in Selb charakterisierte die Arbeiten der renommierten Künstlerin bei der Vernissage so: Das stark erzählerische Engagement das aus den Bildern spricht, hat narrative Qualitäten, die von einem hohen und immer wieder reich assoziativen Mittleilungsdrang künden". Einblick in ihre seelischen Landschaften gewährt Marion Lucka dem Betrachter. "Chaos" ein komplexes großformatiges Werk lockt in ein verschlungenes Labyrint, akkumuliert Symbole, Zeichen, Gegenstände. In eindrucksvollen Abstufungen dokumentiert das Bild "Rot" psychische Zusammenbrüche. Das Seitern einer Beziehung manifestiert sich im Doppelselbstmord, den Marion Lucka als "Zweisamkeit" betitelt. Feminine Elemente herrschen vor in dem surrealistischen, oft erotischen Bilderwelten. "Karfreitag" heißt das Bild einer Nonne, halb schwarz verhüllt, halb barbusig. Im sinnlich blutroten Herzmund und den großen ernsten Augen spiegelt sich eine zweigeteilte Seele. Bildnerisch stellt sich die Künstlerin ihrem konfliktreichen Innenleben, ihren Gedanken und Gefühlen. Durchlebte emotionale Seelenträume signalisiert sie. Themen aus ihrer Daseinswelt und ihrem Alltag spricht sie an - um zu heilen um zu regenerieren, wie sie sagt. An Franz Marc erinnert zuweilen die Farbgebung, wenn Marion Lucka kräftig bunte, ungebrochene Töne wählt. Sie biegt und krümmt wie Dali die Gegenstände und die Figuren, in die sie fremde Teile integriert. Will der Betrachter sich räumlich orientieren und Luckas perspektivische Brüche erleben, darf er sich mit durchschnittlicher Wahrnehmungsbequemlichkeit nicht zufriedengeben. Marion Lucka ist auch als Bildhauerin aktiv. Sechs Sandsteinskulpturen fügt sie in ihre Austellung ein. "Ihr Fleiss ist enorm", bescheinigte Sigurd Bischoff der Künstelerin. Vierzig Prozent ihrer Bilder stammen ab dem Jahr 2000. Marion Lucka, geboren 1963 im heutigen Thiersteiner Ortsteil Kaiserhammer, fing vor zwanzig Jahren an, ihre Träume niederzuschreiben. Seit 1996 hält sie diese nächtlichen Reisen zusätzlich noch in Bildern fe st. Sieben große Bücher füllen sich mit Aquarellen, Zeichnungen und handgeschriebenen Texten über ihre Traumwelten. Innere Unruhe, düstere Schatten oder fantastisch Buntes, Tiere und Teddybären aus dem Umkreis ihrer dreijährigen Tochter Nova offenbaren Unterbewußtes malerisch oder schriftlich auf tausend großformatigen Seiten, oder bildhauerisch in Speckstein und Ton. Viele Künstler sind unnahbar - auf Marion Lucka trifft das nicht zu. Bei der Ausstellungseröffnung ist sie umringt von "vielen lieben Menschen", über die sie sich freut. Während der Schau wird sie die Besucher zeitweise persönlich begleiten. "Das Leben ist vielfältig und nicht mit dem Fach im Schrank zufrieden.", sagte Bischoff. Das mag erklären, warum er Malerei für die Neuanlage des kleinen Selber Bürgerparks ins Gespräch brachte, um unserer Künstlerin einmal eine öffentliche Chance und dem Park einen bunten Aspekt, einen anspruchsvollen, malerischen zu geben". Dr.Hermann Friedel, der in der Vertretung des Oberbürgermeisters die Austellung eröffnet hatte, wird die Anregung aufgenommen haben.
Frankenpost, September 2005
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FICHTELGEBIRGSMUSEUM: NEUES VON MARION LUCKA
Farbe als Ventil für Stimmungen
von Bärbel Lüneberg
Wunsiedel - Wer in Wunsiedel die Ausstellung mit Bildern von Marion Lucka besucht, der erlebt beim Rundgang durch die drei Galerieräume des Fichtelgebirgsmuseums eine Farbenwanderung von Blau über beigemischtes Grün; es tritt Rot dazu und dominiert schließlich. "Warm und Kalt" hat die Thiersteiner Künstelerin die Schau genannt. Bei der Vernissage am Dienstagnachmittag sprach Museumsleiter Dr. Karl-Heinz Plitek, ähnlich wie Landrat Dr. Peter Seißer bei der Begrüßung, von einer "Auswahl" von Bildern. Beide wissen sehr gut, dass Marion Lucka aus einem großen Schatz von Arbeiten wählen kann - Bilder, deren erstaunlicher künstlerischer Energie der Bertachter sich nicht entziehen könne. Die Redner lieferten damit ein wichtiges Stichwort für die Einführung von Bärbel Lüneberg; sie hat sich seit Jahren bei begleitender Öffentlichsarbeit mit dem Werk von Marion Lucka beschäftigt. Dass die unbändige Produktivität der Künstlerin duchaus gegen Widerstände triumphiert, hatte ihr die Thiersteinerin mit dem Kommentar bestätigt: "Ich hab noch nie aufgehört zu malen" - auch nicht, wenn ein Kind oder ein Umzug Anlass hätten sein können. Ganz abgesehen von der handwerklichen sauberen Ausführung, die Lucka sich selbst abverlangt, bleiben die Inhalte und die Ausdruckssprache intensiv und haben sich in letzter Zeit gar noch gesteigert. Sie schöpfen auf dem Weg über Träume aus dem Unterbewußtsein, doch ihr Ziel ist es nicht, wie bei den Surrealisten krankhafte Zustände mit Absurdem, aus dem Zusammenhang Gerissenem zu thematisieren. Im Gegenteil, Luckas nach außen geschlossene Formensprache beschwört den Einklang einer innerlichen Welt. Das oft frustrierte Streben nach Harmonie liefert ihr den Kompass, die Perspektive beim Malen; sie arbeitet mit gerundeten, schmiegsam ovalen Formen und Symbolen für Sehnsüchte, Geborgenheit oder Ängste. Die Farbe ist ein gleichwertiges, ausdrucksstarkes Mittel dieser Bilder, doch nicht etwa im Sinn der akademischen Farbepsychologie. Ein blaues Bild kann, dank seiner feinen Stufungen und Beimischungen durchaus positiven Charakter haben, und ein rotes kann "Hitze" bedrohlich wirken lassen, allein durch schwarze Farbbestandteile. "Ich bin oft selbst überrascht von den Mischungen meiner Palette" - als Ventil für ihre Stimmungen empfindet die Malerin sie und hält sie für nicht wiederholbar. Die zunehmende Offenheit, von der Innenschau zur Schilderung allgemein zugänglicher seelischer oder sinnlicher Erlebnissen zu gehen, wie sie sich hier in den Bildern "Hitze" oder "Sängerin" dokumentiert, erweckt Neugier und Vorfreude auf die Verwirklichung eines Zukunftsplans von Marion Lucka: Landschaftsbilder
"Aus meinen Traumbüchern" Die Künstlerin Marion Lucka über ihre Arbeit: Seit etwa zwölf Jahren halte ich meine Träume in "Traumbüchern" fest, in Wort und Bild(Bleistiftzeichnungen, Pastelle und Aquarelle) Auch auf diesen Fundus greife ich beim Malen häufig zurück. Duch die Malerei habe ich eine Möglichkeit gefunden, mich meinen (inneren) Konflikten zu stellen. Dass so nicht nur gefällige Blider enstehen, nehem ich gerne in Kauf.".
Frankenpost, Mai 2006
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Altes Rathaus, Schwarzenbach/Saale
Aufschrei der Seele, Welt der Wunder
von Ralf Sziegoleit
Schwarzenbach/Saale - Solches Gedränge gab es in der Galerie im Alten Rathaus noch nie: Man war - am Freitagabend - gekommen, um Arbeiten von Marion Lucka zu sehen. "Surreal" heißt die Ausstellung, die 34 Ölgemälde, drei Zeichnungen und fünf Steinskulpturen umfasst. Zur Eröffnung schlug die Gruppe "Bongo Missile" aus Hof auf die Trommeln. Das passte zum "Aufschrei der Seele", den Luckas Malerkollege Hannsjürgen Lommer aus den Traumbildern hörte. Ein wenig Voyeurismus sei hier gefordert, sagte Lommer, der zur Einführung sprach. Denn die 43-jährige Malerin aus Thierstein, die zum Jahresende einen Publikumspreis beim Kunstverein Hof gewann, habe die Tür zu Ihrem innenleben geöffnet. Ihre Bilder würden vom Zustand ihrer Seele geprägt, aus spontanen Gedanken und Gefühlen lasse sie eine " Welt der Wunder" entstehen. Auf den therapeutischen wie auch den erotischen Aspekt dieser Kunst verweisend, nannte Lommer die Malerin "eine der wenigen wirklich Kreativen" in der Region; er fügte hinzu: "Sie hat auch etwas zu sagen." Blut und Tränen, Nägel und Klauen, Wunden und Narben sind immer wiederkehrende Chiffren in Luckas Bildern, auf denen - wie im Traum - die Dinge und Ereignisse ihre Eindeutigkeit verlieren. Um fantastischen Realismus mit "naiven" Zügen handelt es sich. Metamorphosen, Verwandlungen finden statt. Figuren können "dreigespalten" sein und , "im Feuer" stehend, dämonische Züge annehmen. Dramatisch werden Konflikte ausgetragen, und allerdings gibt es - um noch einmal Lommer zu zitieren - nach der bitteren Pille den süßen Bonbon: Ein erst in diesem Jahr entstandenes Gemälde trägt den Titel "Zufriedenheit". Zu den Exponaten in Schwarzenbach zählen drei Bleistiftzeichnungen aus den Jahren 1979 bis 1983. Sie zeigen, dass Lucka schon sehr früh ("Am Anfang") eine eigene Bildsprache entwickelt hat. Heute besticht ihre Kunst durch sicheres Gespür für Farbe und Form. Schlafwandlerisch bewegt sich Lucka über abgründiges Terrain zwischen "Blutfrau" und "Trauerstein". Dabei imponiert ihre Fähigkeit, Disperates durch weichen Farbenfluss und rhythmische Gewandtheit zur Einheit zu binden.
Frankenpost, Februar 2007
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Künstlerhaus Schirnding
Treffsicher und spontan
von Bärbel Lüneberg
Schirnding - Farbiges Leuchten an den Wänden, Trommel-Donner von "Bongo-Missile" aus Hof für die Ohren, dazu noch jede Menge Prominenz und viele kundige Besucher: Marion Luckas Austellung "Sommerträume" wurde mit einer gelungenen Vernissage im Künstlerhaus Schirnding begrüsst. Die lange Anreise von Initiatorin und Hausherrin Erika Klos hatte sich gelohnt, und sie zeigte sich begeistert über den Besuch. Die dunklen und schmerzlichen Farben hatte die bekannte Malerin aus Thierstein zu Hause gelassen, wie es zum selbstgewählten Tite l passte. Von den dichtbestückten Wänden strahlen Sommerfarben wie Gelb-Rot-Grün; auch sie, wie Bärbel Lüneberg in ihrer Einführung betonte, im "Farbcomputer" im Kopf der Malerin entworfen und in nicht wiederholbaren Abstufungen gemischt. Und auch diese Bilder aus helleren Lebensphasen arbeiten mit den bildfüllenden, dichten Formensprache, an der man Marion Luckas Werke sofort erkennt. Die Themen, denen sie mit ihren verflochtenen, meist doppelt zu deutenden Tieren, Pflanzen oder Organen Ausdruck verleiht, muss sie sich nicht suchen - die streben aus ihr selbst, aus ihren Träumen ans Licht. Sie beschwören den Einklang einer innerlichen Welt, schildern Sehnsüchte und Schutzbedürfnis, jubeln über Zuwendung und Geborgenheit: Die Augen des Betrachters wandern auf den Wegen einer intensiv erlebenden Seele und finden nicht räumliche, sondern seelische Perspektive. Der Entwurf dazu muss "sofort sitzen, ohne Skizzen". Wenn Marion Lucka über ihre Arbeitsweise berichtet, kann man nur über die Spontaneität staunen, die so treffsicher Emotionen ablädt und auch in fremden Persönlichkeiten aufleben lassen kann: Die Premiere des Sarah-Bernard-Porträts mit seiner bewegten Körperlichkeit ist ein Paukenschlag. Sehr viel leiser, aber ebenso Aufsehen erregend, kommen die kleinen perfekten Bleistiftzeichnungen daher: Formfantasien, in denen sich Gegenständliches und Abstraktes wie ein Extrakt aus Symbolen durchdringt und zu einer äußerlich abgeschlossenen Einheit findet. Sie sind nebenher entstanden, beim telefonieren etwa: Ausdruck eines ununterdrückbaren künstlerischen Äußerungswillens.
Frankenpost, Juli 2007 |
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Galerie im Malzhaus, Plauen
Seelenverwandtschaft über Landesgrenzen
Von Bärbel Lüneberg
Plauen - Eine interessante Vorgeschichte zu einer doppelt interessanten Ausstellung erzählte Galerist Peter Hochel bei der jüngsten Vernissage der Plauener"Galerie im Malzhaus": Der Maler Ralph Kunzmann aus Plauen, Jahrgang 1963, machte Hochel eines Tages aufmerksam auf die Internet-Seiten der Malerin Marion Lucka aus Thierstein, Jahrgang 1963. Hochel schaute sich die Bilder von Beiden live an - und konnte sie überzeugen, dass es Sinn macht, zusammen auszustellen: Er hatte ein "Konzept von Ähnlichkeit" aus den Arbeiten herausgefiltert. Im raffiniert durchsehbar gestaffelten Scheunenraum des Malzhauses setzte er es inhaltlich und ästhetisch einfühlsam um. Die augenfälligste Ähnlichkeit empfing die Gäste der Vernissage am Freitagabend auf den ersten Blick: die intensive Farbigkeit. Sie erzeugt, wie Steffi Klug vom Vorstand des Plauener Kunstvereins bei ihrer Einführung feststellte, zunächst einen heiteren Eindruck, der beim zweiten Blick der Nachdenklichkeit weicht. Man versinkt, sagte sie treffend, in die traumhaften Inhalte, das intensive Schauen und den existenziellen Hintergrund. Beide Künstler machen eine Innenwelt vielschichtig sichtbar, die aber auch an Einzelheiten ablesbar ist. Die Ähnlichkeit reicht bei den beiden Autodidakten bis in die Wahl der Symbole hinein "Katzen als mystische Jäger" etwa tauchen bei beiden sehr deutlich auf. Beide gehen bisweilen weg von der Farbigkeit weg zu schwarz- weißen, form- oder linienintensiven Radierungen oder Linol- und Holzschnitten. "Die Welt soll im Gleichgewicht sein, ist es aber nicht" - diese Hauptaussage führt bei Marion Lucka zum körperlichen Ausdruck von seelischem Leid; bei Ralph Kunzmann zur Darstellung von Bewegung und Vergänglichkeit, bei der er mit skizzierten Rädersymbolen den Techniker nicht verleugnen kann.
Frankenpost, September 2007 |
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Sparkasse Vogtland, Geschäftsstelle Auerbach
Traumwelten im Geldinstitut
von Silke Keller-Thoss
Auerbach. Die Bilder von Marion Lucka bescheinigen der Künstlerin aus Thierstein (Bayern) Fantasie und Ideenreichtum. Seit Dienstag zeigt sie 59 Ihrer Arbeiten in der Sparkasse Auerbach in der Göltzschtalstrasse 21. "Man könnte der Ausstellung auch den Titel Traumwelt geben", sagte Steffi Klug in ihrere Lau datio.
Ich träume viel und habe auch viele Wünsche. Die setze ich dann in meinen Bildern um", erklärt die Künstlerin. Es sind meist großformatige, in Acryl oder Öl gemalte Bilder, die den Betrachter in ihre Welt entführen. Mit sensiblen Farben, surrealistischen Figuren und Symbolen gibt sie einen Teil ihrere Gefühlswelt preis. Alpträume, Ängste, Sehnsüchte aber auch Verwundbarkeit und Schmerz sind zu erkennen. Meistens malt sie Frauen, so wie die in grün-violetten Farbtönen gehaltene "Geistermutter". In blau, ihrer bevorzugten Farbe, präsentiert sie das "Sternenkind", von dem sie sagt: "Das war mein Wunschkind, noch bevor meine Tochter geboren wurde" Die Erfüllung ihrer familiären Wünsche kommt im Bild "Traumfamilie" zum Ausdruck. Ihre Figuren stattet sie mit Flügeln, zusätzlichen Augen und anderen Symbolen aus. Ihrer "Frau in Schwarz" verpasst sie zugenähte Augen.
1963 in Kaiserhammer geboren entdeckt Marion Lucka schon frühzeitig ihre Liebe zur künstlerischen Gestaltung. Sie besuchte die Fachoberschule für Gestaltung in Bayreuth und läßt sich zur Lithografin ausbilden. Seit 1979 malt Lucka. Sie selbst bezeichnet sich als Autodidaktin. Zu sehen sind ihre Arbeiten bis zum 17. Oktober.
Freie Presse, August 2008
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Shedhalle im Auenpark,Marktreedwitz
Markant und nahezu magisch
von Bärbel Lüneberg (Text und Foto)
Die Malerinnen Marion Lucka und Zoula Fürst präsentieren in einer gemeinsamen Ausstellung ihre Werke in der Shedhalle:"Ideale Bedingungen"
Marktredwitz - Niemand braucht den zahlreichen Besuchern der Vernissage in der Shedhalle zu erklären, welche die Bilder von Marion Lucka und welche die von Zoula Fürst sind. Wenn man die Werke der beiden markanten Malerpersönlichkeiten unter einem Dach und in enger Nachbarschaft sieht, werden ihre kennzeichnenden Merkmale besonders deutlich. Für diese Gelegenheit der Aus- und Gegenüberstellung äußern beide Malerinnen am Mittwochabend ihren Dank an die Stadt.
Zoula Fürst spricht bei ihrer Begrüßung für beide begeistert von den idealen Ausstellungsbedingungen der geräumigen Halle:"Keine Schatten, keine Spiegelungen." Und Stadtrat Karl Bröckl spinnt später diesen Gedanken fort, in der Hoffnung, dass solche Sommerausstellungen das Auenpark-Programm auch in Zukunft bereichern könnten. Zunächst aber fasst die erfahrene Mal-Lehrerin ihre Eindrücke über ihre Kollegin Marion Lucka zusammen: "Sie ist ein Naturtalent." Ihre Bilder seien sehr reif gefühlt und nähmen duch ihre fast magische Wirkung den Betrachter gefangen. Schon immer waren Emotionen der Kompass für diese Malerin, die nie einen Unterricht brauchte. In den letzten Jahren ist sie von dieser dicht verwobenen, stark emotionalen Symbolvielfalt zu einer direkten Sprache gelangt: In einer Reihe von Portraits zeigen Frauengesichter in "Nahaufnahme" deutbare Haltungen und Mimiken. Abgesehen von einer meisterlichen Studie von Sarah Bernard haben anonyme Frauenfotos aus der Charlestonzeit als Vorlage gedient: "Diese Frauen sind schon lange tot - durch die Bilder sollen sie nochmal lebendig werden."
In ihren Buchstaben-Bildern arbeitet Zoula Fürst ähnlich wie Marion Lucka; doch nicht um Gefühle, sondern um die historische, auch dekorative Entwicklung und Veränderung etwa des Buchstaben A geht es ihr. Ein rahmenfüllendes Frauengesicht ist um der Wut willen gemalt, die sich durch fast sichtbare Gesichtsbewegungen entladen. Eine fast lyrische Impression von Fischen zeigt nur farbige Umriße; im markanten Schwarz-Weiß dagegen zornt eine androgyne Gott-Gestalt zwischen einem gedemütigten Adam und einer sorgenvoll zurückschauenden Eva - drei Bilder bilden ein Triptychon. Das sind nur einige Facetten der Techniken, Themen und Malweisen von Zoula Fürst. Ihren Schülern drängt sie sich nicht auf, das zeigen die Schülerarbeiten: Die verfolgen außer in ihren "Hausaufgaben" ganz eigene Wege. 
Frankenpost, Mai 2009
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Landratsamt Wunsiedel
Text und Fotos von Andrea Herdegen
Blicke in geheimnisvolle Welten
Marion Lucka aus Thierstein zeigt im Landratsamt über hundert Werke aus 30 Jahren. Die Künstlerin beschäftigt sich mittels einer symbolischen Formensprache mit dem rätselhaften Phänomen der Melancholie. Wunsiedel – Dem Betrachter geben die Werke wahrlich Rätsel auf: Farbenfrohe Traumwelten, düstere Visionen und ineinander fließende Fantasiegebilde sind auf die Leinwand gebannt oder mit dem Meißel in Stein geschlagen. Die Kunst von Marion Lucka lässt keine Wahl – man muss sich mit ihr auseinandersetzen. Gelegenheit dazu gibt die „Retrospektive 1979 bis 2009“ der Künstlerin, die am Montagabend im Landratsamt eröffnet wurde. 106 Öl- und Acrylbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Plastiken und Collagen sind in dieser Werkschau noch bis zum 11. Dezember zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Die Werke der Thiersteinerin hat stellvertretender Landrat Horst Weidner erneut ins Landratsamt geholt. Bereits zum dritten Mal stellt Marion Lucka hier aus. „Diesmal ist es mit über 100 Exponaten die größte Schau, die wir hier je hatten.“ In allen Etagen des Amtes seien die beeindruckenden Werke zu bewundern. Weidner bescheinigte der Künstlerin, feine Sensoren für die Schwingungen und Veränderungen der Zeit zu besitzen. „Dies schlägt sich in ihrer Kunst nieder.“ Mit prägnanten Begriffen -„Suchende“, „Kreative“, „Unverbildete“, „Kreatürliche“, „Besessene“, „Gestaltende“ -charakterisierte der Marktredwitzer Kunsthistoriker Dr. Joachim Berbig die Künstlerin. Er führte in das Werk ein: „Marion Lucka artikuliert, wenn auch verschlüsselt, ein schwelendes melancholisches Unbehagen am Zustand unserer Kultur hinter der Fassade unserer modernen Informations- und Unterhaltungsgesellschaft.“ Sie manifestiere diese Melancholie in ihren Kunstwerken, stellte Berbig fest. „In ihrer zweieinhalbtausend Jahre währenden Geschichte ist die Melancholie oder, wie es früher noch hieß - die Schwarzgalligkeit - als Voraussetzung für kreatives Schaffen gedeutet worden.“ So werte Marion Lucka ihre Rolle als Künstlerin auf, indem sie sich beispielsweise in dem Ölbild „Dunklere Gedanken“ des rätselhaften Phänomens der Melancholie bemächtige. „Wenn nun aber das Leben ein melancholisches Leiden verursacht, so bleibt als Ausweg nur der geheimnisvolle Weg nach innen, und die Bildwerke Marion Luckas lenken unsere Blicke in diese, ihre innere Welt“, erklärte der Dozent. Das Emportauchen archaischer Gebilde ohne jeden Bildungsballast beweise, wie Marion Lucka ihr Inneres auslote. Die Künstlerin artikuliere in verschiedenster Weise Ängste, mit denen das Ich konfrontiert wird. „Sie ist damit der lebende Beweis dafür, dass eine Beziehung zwischen Melancholie und Künstlertum auch im 21. Jahrhundert besteht.“ Malen sei bei der 46-Jährigen auch Therapie, um gegen die Anfechtungen durch den Zeitgeist anzukämpfen. „Selbst der Tod wird von ihr nicht tabuisiert.“ Marion Lucka lasse sich in die künstlerische Richtung einordnen, die auf das Surreale, das Überwirkliche, ziele. Weiter bediene sich die Thiersteinerin neben einer symbolischen Formensprache durchaus aber auch Tendenzen des Phantastischen Realismus, wusste der Kunstexperte. „Und dazwischen gibt es auch Passagen entwaffnender Naivität.“ Das unverbildete Naturtalent biete Narrationen, die mythische, archaische, melancholische, allen Gesetzen der Natur Hohn sprechende Bildwelten zeigen. Die Künstlerin freute sich über die anerkennende Einführung, sie selber richtete ihr Wort aber nicht an die Gäste. Was ist ihr wichtig? „Ehrlichkeit. Mit meinen Bildern möchte ich ein Stück Aufrichtigkeit bewahren.“ Gerade Ehrlichkeit vermisst Lucka in der Gesellschaft. „Meine Bilder sollen in sich geschlossen sein“, erklärt sie weiter. Immer müsse in ihren Kompositionen Harmonie enthalten sein – „auch wenn die eigentliche Aussage erschreckt.“ Ohne zumindest Zeichenblock und Bleistift einzupacken, verlässt Marion Lucka nie das Haus. „Ich muss malen, ich kann nicht anders“, beschreibt sie ihre Lust. Oder ist es eine Last? „Es ist eine Last, wenn man soviel Lust zum Malen hat.“ Eine tiefe Befriedigung spürt sie dann, wenn sie ein neues Werk geschaffen hat. „Dann ist das Leben nicht mehr so sinnlos.“
 Frankenpost, Mai 2009
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